Kindliche Dysphagie

Unter dem Schluckvorgang versteht man die Aktivität, durch die die Nahrung vom Mund in den Magen befördert wird. Hier gibt es 3 Phasen:

  1. orale Phase ("Mundphase")
  2. pharyngeale Phase ("Rachenphase")
  3. ösophageale Phase ("Speiseröhrenphase")

Bei einer kindlichen Dysphagie (Schluckstörung) können eine oder mehrere Phasen gestört sein und somit auch die Nahrungsaufnahme. Die Behandlung der Schluckstörung ist abhängig vom Grad der Ausprägung. Schwierigkeiten bei der Nahrungs-aufnahme können schon bei Früh-/Neugebo-renen auftreten. Oft liegt hier eine Saug- und Schluckstörung vor. Beispielsweise haben auch Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten Schwierigkeiten beim Saugen. Unter fachlicher Anleitung kann ein so betroffenes Kind mit Hilfe einer Gaumenplatte das Saugen erlernen und somit weitgehend "normal" ernährt werden. Kindliche Dysphagien können des Weiteren in Zusammenhang mit mundmotorischen Problemen bei verschiedenen Syndromerkrankungen (z.B. Down-Syndrom, Prader-Willi-Syndrom, Mowat-Wilson-Syndrom u.a.) auftreten oder bei Zerebralparesen mit atypischem Schluckakt.

Aber auch bei einer oralen Hypersensibilität (übermäßige Sensibilität) kann eine Essstörung auftreten, wodurch eventuell vorübergehend eine Sondenernährung notwendig wird.

Schluckstörungen lassen sich mit der "Orofazialen Regulationstherapie" nach Castillo Morales und der "Neurofunktionellen Reorganisation" nach Padovan behandeln.

Ziel beider Konzepte ist die Förderung der sensorischen und motorischen Fähigkeiten mit einem orofazialen Behandlungsschwerpunkt (d.h. Aktivierung und Regulierung der orofazialen Funktionen: Saugen, Schlucken, Kauen, Speichelkontrolle). Es werden verschiedene Muskelgruppen stimuliert bzw. vorbereitet durch Berühren, Streichen, Druck, Zug und Vibration. Grundvoraussetzung ist eine entsprechende Körperhaltung, die eine vorliegende Pathologie nicht verstärken darf. Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern bzw. Bezugspersonen ist von grundlegender Bedeutung.