Unter der Bezeichnung Late Talker versteht man Kinder, die spätestens in einem Alter von 2 Jahren dadurch auffallen, dass ihr aktiver Wortschatz weniger als 50 Wörter umfasst, im Alter von 3 Jahren weniger als 100 Wörter. Meistens können diese Kinder auch noch keine 2-Wortäußerungen (wie z.B. Saft haben) bilden und haben ein eingeschränktes Sprachverständnis. Man geht heute davon aus, dass ca. 35-40% der Late Talker Spätzünder sind, die die Entwicklung bis zum 3.Geburtstag wieder weitestgehend aufholen können.Die Mehrheit der Late Talker (65-60%) bleiben aber leider sprachlich und damit meist auch kognitiv hinter ihren Altersgenossen zurück. Die kindliche Entwicklung ist sensiblen Phasen unterworfen, in denen das Kind besonders empfnglich für bestimmte Reize und Einflüsse von außen ist. Dabei ist es wichtig, dass das Durchlaufen einer Phase immer die Voraussetzung für das Erreichen des nächsten Entwicklungsschrittes ist. Für jede Phase gibt es einen festgelegten Zeitraum (Zeitfenster), in dem die Lernschritte optimal verlaufen können. In den ersten zwei Lebensjahren eignen sich sprachunauffällige Kinder einen Wortschatz von ungefähr 50 Wörtern an.
Haben sie dies geschafft, setzt die sogenannte Wortexplosion ein, bei der die Produktion von Verben und Adverbien zunimmt. Es findet eine Umstrukturierung des Lexikons statt, die für die zukünftige Sprachentwicklung und v.a. für die grammatische Entwicklung von großer Bedeutung ist. Bei Late Talkern besteht also die Gefahr, dass die grammatischen Mechanismen nicht rechtzeitig aktiviert werden können und dass es dadurch zu langfristigen sprachlichen und schulischen Problemen kommt. Die weitere Sprachentwicklung verläuft bei ihnen sehr langsam und schwerfällig. Dies führt dazu, dass die betroffenen Kinder in vielen Bereichen überhaupt nicht mehr zu den Sprachleistungen normaler Kinder aufschließen können. Durch die heute zur Verfügung stehenden standardisierten Testverfahren kann abgeklärt werden, ob es sich bei betroffenen Kindern um Late-Talker handelt. Bestätigt sich dieser Verdacht, können dann die notwendigen therapeutischen Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden und das Kind in der dafür vorgesehenen sensiblen Phase dementsprechend gefördert werden.