Unter dem Störungsbild des Näselns versteht man eine krankhafte Veränderung des Stimmklangs durch verminderte (geschlossenes Näseln) oder vermehrte (offenes Näseln) Mitresonanz des Nasenrachenraumes und der Nasenhöhle, als deren Folge eine Artikulationsstörung auftritt, die durch Lautveränderung und/ oder Lautverschiebung gekennzeichnet ist. Es wird unterschieden zwischen dem geschlossenen Näseln (Rhinophonia clausa), dem offenen Näseln (Rhinophonia aperta) und der gemischten Form (Rhinophonia mixta). Beim geschlossenen Näseln verhindert eine Verengung im vorderen oder hinteren Nasenbereich den Luftstromaustritt während des Sprechens. Die Folge ist ein dumpfer Stimmklang aufgrund der fehlenden nasalen Komponente, bekannt auch als "Stockschnupfensprache". Bezüglich der Artikulation ist dieses als Resonanzstörung der Nasallaute durch folgende Lautveränderungen erkennbar: m> b, n> d, ng> g. Zu den möglichen Ursachen einer Nasenraumverengung zählen Nasenpolypen, allergisch bedingte Schwellungen der Nasenschleimhaut, Verkrümmung der Nasenscheidewand, vergrößerte Rachenmandeln (häufiger bei Kindern). Das funktionell geschlossene Näseln ohne Hindernis im Nasenbereich wird durch eine falsche Sprechgewohnheit verursacht. Das offene Näseln ist gekennzeichnet durch einen unvollständigen Abschluss des Nasenresonanzraumes durch das Gaumensegel.
Als Folge beobachtet man eine übermäßige Beteiligung des Nasenresonanzraumes, was beim Sprechen zu einem begleitenden Luftstrom durch die Nase und zu einem vermehrten Mitschwingen der Strukturen oberhalb des Gaumens führt. Dieser hörbar austretende Luftstrom, Nasaler Durchschlag genannt, erzeugt den näselnden Stimmklang: Vokale verlieren ihre Deutlichkeit, Konsonanten sind entstellt, die Artikulation rückverlagert: n> ng, t/d > k/g, alle Laute haben einen näselnden Beiklang. Als Gründe für diese Stimmklangstörung werden unter anderem die genetisch bedingte Verkürzung des Gaumensegels, die angeborene (z.B. bei Gaumenspalten) oder erworbene Lähmung des Gaumensegels (z.B. als Begleitsymptom bei MS), die angeborene Schwäche der Gaumensegelmuskulatur oder eine unerwünschte Vernarbung als Komplikationsfolge nach einer Operation im Mundbereich genannt. Auch beim offenen Näseln erscheint die funktionelle Variante ohne organische Veränderung als vorübergehende Bewegungseinschränkung des Gaumensegels, aufgrund einer beibehaltenen Angewohnheit, beispielsweise eine Schonhaltung nach Mandel- oder Polypenoperation. Neben diesen beiden Störungssbildern tritt noch die gemischte Form des Näselns auf: Hierbei kommt es zum wechselnd näselnden Stimmklang, wenn zum fehlenden oder mangelhaften Verschluss des Gaumenrachens gleichzeitig eine Nasenundurchgängigkeit vorliegt.